Hamburg, München, Köln, …. – jede Menge Veranstaltungen zum Thema New Work habe ich in den vergangenen Monaten besucht, mich mit klugen Menschen unterhalten, Berichte in Fachzeitungen gelesen, Kollegen und Kolleginnen aus anderen Unternehmen gefragt, was sie dazu sagen und wie ihre Erfahrungen in der praktischen Umsetzung sind.  Immer auf der Suche nach Inspiration, was NewWork für ein kleines mittelständisches Unternehmen bedeutet und wie es im eigenen Unternehmen voranzubringen sei.
Oft blieb ich an dem Punkt hängen, erklären zu können, was NewWork eigentlich ist, wo der Nutzen liegt.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass das, was derzeit mit dem Begriff NewWork beschrieben werden soll, eigentlich nichts Neues ist. Es ist kein Werkzeugkasten – für die Jüngeren: Toolbox. Es ist keine neue Methode, Arbeitsabläufe in Unternehmen moderner zu gestalten.

Nach meinem Verständnis ist NewWork vielmehr eine Haltung. Die Haltung, Menschen genau jene Arbeit machen zu lassen, die sie aus Überzeugung heraus gern machen und gut können. Arbeit, die sie zufrieden macht, in der sie einen Sinn sehen. Dazu Rahmenbedingungen, die Leistung fördern. Dies reicht von den optimalen Arbeitsmitteln und -räumen hin zur wertschätzenden Unternehmenskultur. Dann sind Menschen ihrem Inneren heraus – intrinsisch – motiviert.

Nun ist dies ja eigentlich keine neue Erkenntnis. Menschen haben immer schon am liebsten – und besten – die Tätigkeiten verrichtet, die ihnen besonders am Herzen liegen, für die sie ein besonderes Talent haben. Möglichst am selbst gewählten Ort. Nur konnten und durften sie dies in der Vergangenheit meist nicht. Arbeit konnte nur dort getan werden, wo der Arbeitgeber dies bestimmte. Die heutige Mobilität, die Möglichkeiten in Echtzeit über große Distanzen zu kommunizieren, sich abzustimmen, fehlten. Die starren gesellschaftlichen Strukturen taten ihr Übriges.

Heute können wir uns in vielen Berufen durch tiefgreifende technologische Veränderungen freier bewegen und mobiler arbeiten. Durch Digitalisierung und flächendeckende Verfügbarkeit von Daten haben sich weitere Möglichkeiten eröffnet. Ich bin sicher, dass dieser Prozess noch lange nicht zu Ende ist.

Hier bekommt das „New“ für mich seine Berechtigung. In den letzten Jahren sind durch gewachsene Freiheit in unseren Gesellschaften die Möglichkeiten und Chancen gestiegen, Arbeit besser zu gestalten als früher. Es gibt dabei viele Facetten, beispielhaft seien genannt: mobiles Arbeiten, flexiblere Arbeitszeitmodelle, motivierende Arbeitsumgebungen und unterstützende technische Ausstattung.

Mobiles Arbeiten kann Fahrzeiten vom Wohn- zum Arbeitsplatz reduzieren und schafft mehr Familienzeit, Lernzeit, Sportzeit. Mobiles Arbeiten kann Barrieren für gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeitende wegfallen lassen. Natürlich ist nicht jede Aufgabe für ortsungebundenes Arbeiten geeignet. Wo es möglich ist, kann sich die Zufriedenheit der Menschen steigern. Flexiblere Arbeitszeitmodelle, auch mit Jobsharing, sind durch Mobilität und Digitalisierung leichter möglich geworden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der weitgehende Wegfall von Arbeiten nach tayloristischem Muster. Wir sind längst in der Zeit der Wissensarbeit angekommen. Flexibilität und Mitdenken ist ständige Erwartung an Mitarbeitende. Unternehmensorganisation, Führungsstil und -kultur haben sich jedoch nicht in gleichem Maße mitentwickelt. Viele Unternehmensstrukturen und Führungsmodelle befinden sich noch in den klassischen Mustern. Das blockiert Motivation und Produktivität.

Hier bin ich wieder beim Thema „Haltung“. Wir sollten unsere Haltung zu Arbeit prüfen und – wo noch nicht geschehen – zu NewWork ausrichten. Wir sind gut beraten, unsere Erfahrungen, unsere Methoden, Gewohnheiten, Führungskulturen der Vergangenheit zu entmachten und die Strukturen, die Hierarchien und die Arbeitsumfelder in den Firmen neu zu designen. Und den Menschen Wertschätzung zeigen, ihnen etwas zutrauen, damit wirksam wird, was in ihnen steckt. Menschen, die Ihre Arbeit lieben, die einen Sinn darin sehen und sie gern verrichten, entwickeln ihr Unternehmen weiter und verbessern es.

Die Mitarbeitenden werden ganz persönlich zufriedener und tragen stärker zur Zufriedenheit der Kunden und zum Erfolg ihres Unternehmens bei. So kann ein wirkliche win-win Situation entstehen.

Es sollte unser Anspruch sein, die Gewohnheiten und auch die Fehler der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Mit der Haltung, den Wandel hin zu neuen Arbeitswelten zu vollziehen, werden alle Beteiligten profitieren, Mitarbeitende, Unternehmen und Kunden.

Nur Mut, zeigen wir Haltung! Jetzt!